Grafiken und Illustrationen: schematische Abbildungen und Graphical Abstracts

Schematische Abbildungen erklären Mechanismen, Studienabläufe oder Versuchsaufbauten; ein Graphical Abstract fasst die Kernaussage einer Arbeit in einem Bild zusammen und wird im Inhaltsverzeichnis des Journals angezeigt. Beides entscheidet mit darüber, ob eine Arbeit gelesen wird. Diese Seite zeigt einen Arbeitsablauf, freie Bildquellen mit ihren Lizenzbedingungen und die Fehler, die zu Rückfragen führen.

Kernempfehlungen

  • Erst skizzieren, dann zeichnen: Eine Bleistiftskizze mit Leserichtung (links nach rechts oder oben nach unten) klärt in Minuten, was in der Software Stunden kostet.
  • Eine Aussage pro Bild: Ein Graphical Abstract zeigt Fragestellung, Methode in einem Symbol und das Hauptergebnis, nicht die ganze Arbeit.
  • Lizenz vor dem Download prüfen und die geforderte Quellenangabe sofort in die Legende übernehmen.
  • Vektorquellen bevorzugen (SVG, EPS, PDF); sie lassen sich ohne Qualitätsverlust einfärben und skalieren.
  • Einheitlicher Stil: eine Schriftart, zwei bis drei Farben plus Grautöne, gleiche Linienstärken (Empfehlung).

Arbeitsablauf in sieben Schritten

  1. Kernaussage in einem Satz notieren; das Bild muss diesen Satz ohne Legende transportieren.
  2. Vorgaben des Journals lesen: Format, Seitenverhältnis, erlaubte Schrift. Elsevier verlangt für Graphical Abstracts mindestens 1.328 × 531 Pixel (Breite × Höhe) bei 300 dpi, Seitenverhältnis 2,5 : 1, keine zusätzliche Überschrift, Text nur im Bild.
  3. Skizze mit Leserichtung und Blickführung (Pfeile sparsam).
  4. Bausteine beschaffen aus den Quellen unten; Lizenz und Quellenangabe in einer Liste festhalten.
  5. Zusammensetzen in einem Vektorprogramm (Inkscape kostenlos, Adobe Illustrator, Affinity Designer) oder in PowerPoint mit benutzerdefinierter Foliengröße.
  6. Verkleinerungstest: Bild auf die Anzeigegröße im Inhaltsverzeichnis verkleinern (bei Elsevier passt es in 500 × 200 Pixel); ist die Schrift noch lesbar?
  7. Export nach den Vorgaben, siehe Hochauflösende Abbildungen.

Bildquellen und ihre Bedingungen

QuelleInhaltLizenz und Bedingungen
Servier Medical ArtÜber 3.000 medizinische Illustrationen (Organe, Zellen, Geräte)CC BY 4.0: frei nutzbar und veränderbar, Quellenangabe nach Vorgabe der Website
NIH BIOART SourceÜber 2.000 wissenschaftliche Illustrationen, Icons und Vektoren des NIAIDNutzung für Bildung, Forschung und kommerzielle Zwecke erlaubt; Quellenangabe „Illustration from NIAID NIH BioArt Source (bioart.niaid.nih.gov/bioart/###)“; Lizenz je Eintrag prüfen
The Noun ProjectSehr große Sammlung von Symbolen (PNG, SVG)Kostenloses Konto ohne kommerzielle Lizenz; Pro-Abo ohne Namensnennungspflicht; Bedingungen je Icon prüfen
NeuroMorpho.OrgDigitale Rekonstruktionen von Neuronen und GliazellenZitierregeln der Datenbank und der Originalarbeit beachten
OpenStreetMapFreie Kartendaten, z. B. für Studienzentren oder EinzugsgebieteODbL: Quellenangabe „© OpenStreetMap contributors“ und Hinweis auf die Lizenz (openstreetmap.org/copyright)
BioRenderWebbasiertes Werkzeug mit großer Bibliothek biomedizinischer SymboleVeröffentlichung in Journalen nur mit bezahltem Abo; Kostenlos-Version nicht für Publikationen; Hinweis „Created with BioRender.com“ erforderlich

Welche Darstellung für welchen Zweck?

ZweckDarstellungsformHinweis
Ablauf einer klinischen StudieFlussdiagramm nach CONSORT (randomisierte Studien) oder STROBEZahlen je Stufe müssen mit dem Ergebnisteil übereinstimmen
Systematische ÜbersichtsarbeitPRISMA-2020-FlussdiagrammVorlage über das EQUATOR Network bzw. die PRISMA-Website
Versuchsaufbau, ZeitachseZeitstrahl mit Interventionen und MesszeitpunktenZeitachse maßstabsgetreu oder Unterbrechung kennzeichnen
Pathophysiologie, SignalwegSchema mit Pfeilen und SymbolenBelegte und hypothetische Schritte unterscheiden
Kernaussage für das InhaltsverzeichnisGraphical AbstractDrei Felder: Frage, Methode, Ergebnis
Regionale VerteilungKarte auf Basis von OpenStreetMapKeine Wohnorte einzelner Patienten (Datenschutz)

Vorlage: Graphical Abstract in drei Feldern

  1. Links, Ausgangslage: Population oder Problem als Symbol mit einem Stichwort (z. B. „Kinder, Tonsillektomie“).
  2. Mitte, Vorgehen: Design und Intervention als Symbol mit Pfeil (z. B. „RCT, n = 240: Medikament vs. Placebo“).
  3. Rechts, Ergebnis: Hauptbefund als Zahl oder Mini-Diagramm (z. B. „Übelkeit 18 % vs. 34 %“), farblich hervorgehoben.

Format 2,5 : 1 (Elsevier), Schrift serifenlos und groß, kein Literaturzitat, keine Überschrift „Graphical Abstract“.

Werkzeugwahl

WerkzeugStärkeGrenze
InkscapeKostenlos, SVG-basiert, PDF- und EPS-ExportEinarbeitung nötig
Adobe IllustratorIndustriestandard, präzise Typografie, CMYKAbo-Kosten; Hinweise unter Adobe Illustrator
PowerPointVorhanden, schnell, Export über PDF vektorerhaltendBegrenzte Typografie; Foliengröße auf Druckmaß setzen
BioRenderGroße Symbolbibliothek, Vorlagen für SignalwegePublikation nur mit bezahlter Lizenz

Muster für Quellenangaben

  • „Teile der Abbildung wurden mit Servier Medical Art (smart.servier.com) erstellt, lizenziert unter CC BY 4.0.“ (genauen Wortlaut der Zitierhinweise von Servier übernehmen)
  • „Kartengrundlage: © OpenStreetMap contributors, ODbL.“
  • „Created with BioRender.com.“
  • „Nachgedruckt aus [Quelle] mit Genehmigung von [Verlag].“ Bei veränderten Abbildungen: „modifiziert nach“.

CONSORT-Flussdiagramm in fünf Schritten

  1. Vorlage von der CONSORT-Website bzw. über das EQUATOR Network laden; Struktur nicht verändern.
  2. Vier Ebenen befüllen: Rekrutierung (auf Eignung geprüft, ausgeschlossen mit Gründen, randomisiert), Zuteilung (je Gruppe: zugeteilt, Intervention erhalten oder nicht, mit Gründen), Nachbeobachtung (lost to follow-up, Abbruch, mit Gründen), Analyse (analysiert, ausgeschlossen, mit Gründen).
  3. Zahlen aus der Studiendatenbank übernehmen, nicht von Hand fortschreiben.
  4. Summenprüfung: Jede Ebene muss sich aus der vorherigen ergeben; Differenzen sind Gutachtern sofort sichtbar.
  5. Als Vektorgrafik exportieren; Schrift mindestens so groß wie im übrigen Manuskript.

Für systematische Übersichtsarbeiten gilt dasselbe Vorgehen mit dem PRISMA-2020-Flussdiagramm.

Barrierefreiheit

  • Information nie allein über Farbe kodieren; Formen, Beschriftungen oder Muster ergänzen.
  • Kontrast zwischen Text und Hintergrund hoch halten; keinen Text auf Fotos ohne hinterlegte Fläche.
  • Viele Verlage fragen nach einem Alternativtext für Abbildungen. Formulieren Sie ihn wie eine Kurzlegende: was ist dargestellt und was ist die Aussage (Empfehlung).

Gestaltungsregeln, die Gutachter bemerken

  • Symbole konsistent verwenden: Dieselbe Zelle, dasselbe Organ oder derselbe Patient sieht im ganzen Manuskript gleich aus.
  • Farbe mit Bedeutung: Intervention immer in derselben Farbe, Kontrolle in Grau. Rot-Grün-Kontraste meiden (Empfehlung).
  • Pfeile eindeutig: Aktivierung und Hemmung mit unterschiedlichen Pfeilspitzen; Legende für Symbole.
  • Keine Ergebnisse vortäuschen: Schemata zeigen Hypothesen oder Abläufe; nicht belegte Mechanismen als solche kennzeichnen (z. B. gestrichelt).
  • Weißraum lassen: Ein überladenes Graphical Abstract wird im Inhaltsverzeichnis nicht gelesen.

Projektordner für Abbildungen

Erfahrungsregel: Legen Sie zu Beginn eine feste Ordnerstruktur an, sonst ist bei der Revision die bearbeitbare Version nicht mehr auffindbar.

  • 01_Quellen: heruntergeladene Symbole und Karten, jeweils mit Textdatei zu Herkunft, Lizenz und Abrufdatum.
  • 02_Arbeitsdateien: SVG- oder AI-Dateien mit editierbarer Schrift und Ebenen.
  • 03_Export: Abgabedateien je Journal und Version (z. B. Fig1_v2_Journalname.tif).
  • 04_Genehmigungen: schriftliche Erlaubnisse für fremdes Material.

Bei einer Revision ändern Sie nur die Arbeitsdatei und exportieren neu; Abgabedateien werden nie direkt bearbeitet. Wer dieselbe Abbildung später in Dissertation, Vortrag oder Lehrbuch nutzen möchte, prüft vorher die Lizenz des Verlags, bei dem sie erschienen ist: Bei Open Access unter CC BY ist die Weiterverwendung mit Quellenangabe meist möglich, bei klassischer Rechteübertragung ist oft eine Genehmigung nötig.

Fallstricke

FallstrickFolgeGegenmaßnahme
Bild aus Google-Bildersuche oder Lehrbuch übernommenUrheberrechtsverletzung; Verlag verweigert VeröffentlichungNur lizenzierte Quellen; sonst schriftliche Genehmigung des Rechteinhabers
BioRender-Grafik aus der Kostenlos-Version eingereichtKeine PublikationsrechteBezahltes Abo (oft über Hochschullizenz) oder andere Quelle
CC-BY-Quelle ohne NamensnennungLizenzverstoßQuellenangabe in die Legende, z. B. „Teile der Abbildung: Servier Medical Art, CC BY 4.0“
Graphical Abstract mit viel TextIm Inhaltsverzeichnis unlesbarVerkleinerungstest; Text auf Schlagworte reduzieren
Pixelgrafiken stark vergrößertTreppeneffekte im DruckVektorversionen (SVG) laden
Uneinheitliche Stile aus mehreren QuellenUnruhiges, unprofessionelles BildFarben und Linienstärken nach dem Import vereinheitlichen
Karte ohne OSM-HinweisVerstoß gegen ODbL„© OpenStreetMap contributors“ in Abbildung oder Legende
KI-generierte Bilder ohne Prüfung der JournalregelnAblehnung oder Korrektur nach PublikationRichtlinie des Verlags zu generativer KI lesen; viele Verlage schränken KI-Bilder ein oder verlangen Offenlegung

Weiterführend