Hochauflösende Abbildungen für Publikationen erstellen
Unscharfe oder falsch formatierte Abbildungen sind einer der häufigsten Gründe für Rückfragen der Produktionsabteilung, und sie verzögern die Veröffentlichung nach der Annahme. Die Lösung ist fast immer dieselbe: Abbildung von Anfang an in der Druckbreite anlegen, so lange wie möglich als Vektorgrafik bearbeiten und erst am Ende in das geforderte Format exportieren.
Kernempfehlungen
- Zuerst die Zielbreite festlegen (einspaltig, eineinhalbspaltig, zweispaltig), dann die Auflösung. Die dpi-Zahl allein sagt nichts; entscheidend ist die Pixelzahl bei der gedruckten Breite.
- Vektor, wo möglich: Diagramme, Schemata und Beschriftungen als Vektorgrafik (PDF, EPS, SVG für die Bearbeitung). Vektoren sind bei jeder Größe scharf.
- Pixel nie hochrechnen: Eine 72-dpi-Bildschirmkopie wird durch Umrechnen auf 300 dpi nicht schärfer, nur größer. Fotos und Mikroskopie immer aus der Originaldatei exportieren.
- Schrift in Endgröße prüfen: Abbildung in Druckgröße (100 %) betrachten; Beschriftungen sollen mindestens 6 bis 7 pt groß sein (Elsevier: 7 pt, Indizes nicht unter 6 pt).
- Bilddaten unverfälscht lassen: Helligkeit und Kontrast nur auf das ganze Bild anwenden, Montagen kennzeichnen, Originale aufbewahren.
Vorgaben großer Verlage im Vergleich
Die folgenden Werte sind belegte Beispiele; maßgeblich sind immer die Autorenhinweise Ihres Zieljournals.
| Merkmal | Elsevier (allgemeine Artwork-Hinweise) | PLOS ONE |
|---|---|---|
| Fotos, Mikroskopie (Halbton) | 300 dpi | 300 bis 600 dpi |
| Strichzeichnung (Linien, Diagramme als Pixelbild) | 1.000 dpi | 300 bis 600 dpi |
| Kombination (Foto mit Beschriftung) | 500 dpi | 300 bis 600 dpi |
| Formate | Vektor: EPS (bevorzugt), PDF; Pixel: TIFF, JPEG (nur Halbtöne); Office-Dateien werden noch akzeptiert | Nur TIFF oder EPS |
| Breite | einspaltig 90 mm, 1,5-spaltig 140 mm, zweispaltig 190 mm | 6,68 bis 19,05 cm; Höhe max. 22,23 cm |
| Farbmodus | Journalspezifisch | RGB (8 bit je Kanal) oder Graustufen |
| Schrift | Arial/Helvetica, Times, Courier, Symbol; 7 pt (Indizes mind. 6 pt) | Arial, Times oder Symbol, 8 bis 12 pt |
| Sonstiges | Downsampling in PDF-Einstellungen vermeiden; Schriften einbetten | Max. 10 MB, LZW-Kompression, keine Ebenen oder Alphakanäle; Prüfwerkzeug NAAS |
Pixel richtig berechnen
Pixel = dpi × Breite in mm ÷ 25,4. Beispiele nach Elsevier:
| Zielbreite | 300 dpi | 500 dpi | 1.000 dpi |
|---|---|---|---|
| einspaltig, 90 mm | 1.063 px | 1.772 px | 3.543 px |
| 1,5-spaltig, 140 mm | 1.654 px | 2.756 px | 5.512 px |
| zweispaltig, 190 mm | 2.244 px | 3.740 px | 7.480 px |
Praxisregel: Hat Ihr Mikroskopiebild 1.200 px Breite, reicht es bei 300 dpi für maximal etwa 100 mm Druckbreite. Für eine zweispaltige Tafel aus vier Bildern nebeneinander brauchen Sie pro Einzelbild rund 560 px.
Weg 1: PowerPoint-Folie als hochauflösendes Bild
Exporte direkt aus PowerPoint oder anderen Präsentationsprogrammen liefern je nach Version und Einstellung nur Bildschirmauflösung. Der Umweg über PDF erhält Vektoren und Schrift:
- Foliengröße anpassen: Unter Entwurf, Foliengröße eine benutzerdefinierte Größe in der Zielbreite anlegen (z. B. 19 cm × 12 cm). So stimmen Schriftgrößen von Beginn an.
- Abbildung bauen und speichern; Schriftart Arial oder Helvetica verwenden.
- Als PDF speichern in höchster Qualität (PowerPoint: Optimieren für Standard; Adobe PDF-Drucker oder PDFMaker: Druckausgabequalität). Bilder in den Optionen nicht komprimieren lassen.
- PDF in einem Bildbearbeitungsprogramm öffnen (Adobe Photoshop: Dialog „PDF importieren“, oder kostenlos GIMP); dabei Auflösung (z. B. 600 dpi) und Farbmodus (RGB) direkt im Importdialog wählen, nicht nachträglich hochrechnen.
- Zuschneiden auf den gewünschten Ausschnitt.
- Bildgröße prüfen: In Photoshop unter Bild, Bildgröße die Breite in mm kontrollieren; zum Ändern der dpi-Angabe ohne Qualitätsverlust „Neu berechnen“ deaktivieren.
- Speichern im geforderten Format, für TIFF auf eine Ebene reduziert, mit LZW-Kompression, ohne Alphakanal.
Verlangt das Journal Vektorformate, laden Sie das PDF aus Schritt 3 direkt hoch oder konvertieren es in einem Vektorprogramm (Adobe Illustrator, Inkscape) nach EPS.
Weg 2: Diagramme aus Statistikprogrammen
- R (ggplot2): Größe und Auflösung beim Speichern festlegen, z. B. ggsave("Abb1.tiff", width = 90, height = 70, units = "mm", dpi = 600, compression = "lzw") oder als Vektor ggsave("Abb1.pdf", width = 90, height = 70, units = "mm").
- GraphPad Prism, SPSS, Excel: Diagramm im Programm auf die Zielbreite einstellen und als PDF oder EMF exportieren; Rasterexport nur mit ausdrücklicher dpi-Angabe.
- Empfehlung: Mehrteilige Abbildungen (A, B, C) erst im Vektorprogramm zusammensetzen; dort Schriftgrößen und Linienstärken (mindestens 0,25 pt, besser 0,5 pt) vereinheitlichen.
Weg 3: Fotos, Mikroskopie, Blots
- Aus der Originaldatei des Mikroskops oder Scanners exportieren, nicht aus Präsentationen oder PDFs.
- Maßstabsbalken im Bild einzeichnen; Vergrößerungsangaben in der Legende passen nach Skalierung oft nicht mehr.
- Ganze Bilder gleichmäßig bearbeiten; zusammengesetzte Gelspuren mit Trennlinie kennzeichnen. Viele Journale (z. B. PLOS) verlangen die unbeschnittenen Originalblots als Zusatzdatei.
Mehrteilige Abbildungen (Tafeln)
- Panelbuchstaben einheitlich (z. B. A, B, C fett, 8 pt, oben links) und in der Reihenfolge der Erwähnung im Text.
- Gleiche Achsenskalierung für vergleichbare Diagramme; sonst werden Effektgrößen optisch verzerrt.
- Abstände zwischen Panels gleich groß; Ausrichtung mit Hilfslinien oder dem Ausrichten-Bedienfeld.
- Fehlerbalken definieren (SD, SEM oder 95 %-KI) und Einzelwerte zeigen, wenn die Fallzahl klein ist (Empfehlung).
Vorlage für eine Abbildungslegende
Abbildung 2. [Aussage in einem Satz, z. B.: „Die Intervention senkt die Rate postoperativer Übelkeit.“] (A) [Inhalt Panel A]. (B) [Inhalt Panel B]. Dargestellt sind [Mittelwert ± SD / Median mit Interquartilsabstand]; Punkte zeigen Einzelwerte (n = 24 je Gruppe). [Test], *p < 0,05. Maßstabsbalken: 50 µm. Teile der Abbildung: [Quelle, Lizenz].
Checkliste vor dem Upload
- Format, Breite und Auflösung entsprechen den Autorenhinweisen; Pixelzahl nachgerechnet.
- Bei 100 % Ansicht in Druckgröße ist jede Beschriftung lesbar.
- Schriften eingebettet (PDF, EPS) oder Datei als TIFF ohne Ebenen.
- Farbmodus wie gefordert; Abbildung auch in Graustufen verständlich.
- Dateiname nach Vorgabe (z. B. Fig1.tif), Legende im Manuskript, nicht im Bild.
- Originaldaten (Rohbilder, Blots) archiviert und auf Anfrage lieferbar.
- Rechte an allen fremden Bildteilen geklärt und in der Legende angegeben.
Farbe, Dateigröße, Zusatzmaterial
- RGB oder CMYK: Online-Journale arbeiten überwiegend mit RGB (PLOS ONE verlangt es). Wandeln Sie nur nach CMYK um, wenn die Autorenhinweise es fordern; bei der Umwandlung verlieren leuchtende Blau- und Grüntöne an Sättigung. Prüfen Sie das Ergebnis am Bildschirm in der Softproof-Ansicht.
- Dateigröße: Überschreitet ein TIFF das Limit, zuerst LZW-Kompression aktivieren, Ebenen reduzieren und überflüssigen Rand beschneiden. Die Auflösung erst senken, wenn die Mindestwerte des Journals noch erfüllt sind.
- Graustufen-Test: Drucken oder betrachten Sie die Abbildung in Graustufen. Sind Gruppen dann nicht mehr unterscheidbar, ergänzen Sie Symbole, Schraffuren oder Linienarten.
- Zusatzmaterial (Supplementary Figures): Gelten oft weniger strenge Formatvorgaben, werden aber nicht vom Verlag nachbearbeitet. Was dort unscharf ist, bleibt unscharf; dieselben Exportregeln anwenden.
- Präsentation und Poster: Für Kongresse dieselbe Vektor-Arbeitsdatei verwenden und nur Größe und Schrift anpassen; so entsteht keine zweite, abweichende Version der Daten.
Fallstricke
| Fallstrick | Folge | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|
| Bildschirmkopie auf 300 dpi hochgerechnet | Unscharfer Druck; Produktion fordert neue Datei an | Aus Vektorquelle oder Originaldatei neu exportieren |
| Strichzeichnung als JPEG gespeichert | Kompressionsartefakte an Linien und Schrift | Vektor (PDF, EPS) oder TIFF mit LZW |
| Abbildung in Folienbreite gestaltet, im Druck auf ein Drittel verkleinert | Schrift unter 5 pt, unlesbar | Arbeitsfläche von Beginn an in Druckbreite |
| PDF-Export mit Standard-Downsampling | Eingebettete Fotos verlieren Auflösung | Druckqualität wählen, Komprimierung abschalten |
| TIFF mit Ebenen, Transparenz oder mehreren Seiten | Upload wird abgelehnt oder Darstellung fehlerhaft | Auf Hintergrundebene reduzieren, Alphakanal löschen |
| Rot-Grün-Kodierung | Für Menschen mit Farbsehschwäche nicht unterscheidbar | Farbenblind-taugliche Paletten (z. B. Blau-Orange), zusätzliche Symbole oder Linienarten (Empfehlung) |
| Selektive Bildbearbeitung (Hintergrund aufgehellt, Bande entfernt) | Verdacht auf Bildmanipulation, im Extremfall Rückzug | Nur globale Anpassungen, Originale archivieren |
| Fremde Abbildung ohne Erlaubnis übernommen | Urheberrechtsverletzung, Produktion stoppt | Genehmigung einholen oder CC-BY-Material mit Quellenangabe (Bildquellen) |
Quellen und Werkzeuge
- Elsevier: Artwork sizing und Artwork overview
- PLOS ONE: Figures
- GIMP und Inkscape (kostenlose Alternativen zu Photoshop und Illustrator)
- Tipps zu Illustrator: Adobe Illustrator für wissenschaftliche Abbildungen
- Einordnung in den Publikationsweg: Paper schreiben